Weihnachten am Familientisch – Ein kleiner Survival-Guide
Ein Artikel von Alicia Metz-Kleine
Ein Artikel von Alicia Metz-Kleine
Na, seid ihr schon in Weihnachtsstimmung? Und freut ihr euch? Ich persönlich liebe Weihnachten. Aufgewachsen in einer Patchwork-Familie, war Weihnachten aber nicht immer nur friedlich und harmonisch. Für mich war Weihnachten auch immer viel Fahrerei und viele unterschiedliche Konstellationen und verschiedene Erwartungen an mehreren Familientischen. Seit ich selbst Kinder habe, feiern wir Weihnachten ganz bewusst klein und entspannt. Ohne viele Verpflichtungen und große Erwartungen. Es ist zwar immer festlich und schön, aber eben auch gemütlich und so, dass es zu uns passt. Es gibt aber viele Familien, für die Weihnachten stressig ist. Denn am Familienweihnachtstisch kann so einiges zusammen kommen. Weihnachten hat eine ganz eigene Energie. Alles soll besonders, friedlich und herzlich sein – und genau deshalb fühlt es sich für viele so intensiv an. Familien kommen zusammen, die Kinder sind aufgeregt, unterschiedliche Erwartungen und Vorstellungen liegen in der Luft und irgendwo zwischen Plätzchen, Festbraten und Weihnachtspunsch können dann Konflikte entstehen. Dieser Artikel soll ein paar Ideen und Strategien liefern, wie es vielleicht ein bisschen leichter wird …
Der Tisch, an dem alles zusammenkommt
Weihnachten bringt Menschen an einen Tisch, die sonst vielleicht selten zusammenkommen. Genau das macht die Zeit so besonders – und gleichzeitig herausfordernd. Kaum sitzen wir gemeinsam am Tisch, rutschen wir oft in Rollen und alte Muster. Dazu kommt das große Bild vom „perfekten Weihnachten“, das über allem schwebt. Es soll schön sein, vor allem für die Kinder. Und die sind häufig aufgeregt und überfordert von den eigenen Gefühlen und diesem besonderen Tag.
Was hilft? Ein kleiner Survival-Guide
Klare Erwartungen.
Was ist euch als Familie wirklich wichtig? Ruhe? Zeit? Verbindung? Oder einfach friedliche Mahlzeiten ohne Diskussionen? Welche Erwartung haben Großeltern? Geschwister? Und müsst ihr sie berücksichtigen? Überlegt euch gut, was wirklich wichtig ist und schreibt es euch eventuell vorher auf.
Kommunikation!
„Wir möchten dieses Jahr etwas entspannter feiern“ – wenn das so ist, dann teilt es euren Gästen mit. Kommuniziert vorher, wie der Ablauf ungefähr ist, welches Essen es gibt und was ihr (nicht) möchtet in der gemeinsamen Zeit. Wenn ihr eingeladen seid, könnt ihr all das vorher fragen und auch Wünsche mitteilen. Beispielsweise, dass es nicht so spät Essen gibt, weil die Kinder dann schon müde sind. Oder dass es für die Kinder ein einfaches, anderes Gericht gibt. Ihr könnt auch anbieten, das Essen für die Kinder mitzubringen. Wenn ihr diese Dinge vorher besprecht, sind die Erwartungen auf allen Seiten klarer und keiner fühlt sich vor den Kopf gestoßen oder überrascht.
Schwierige Themen & Kommentare
Es gibt trotzdem Themen, die IMMER zu unangenehmen Gesprächen und Diskussionen führen. Welche das sind, ist wahrscheinlich bei jeder Familie anders. Vielleicht Politik oder Kindererziehung, Lebensmodelle oder Kommentare zum Essverhalten. Egal, worum es geht, ihr dürft Grenzen setzen. Ja, auch wenn Weihnachten ist und alle so schön zusammen sitzen. Natürlich sollte ihr dabei höflich sein, aber auch klar: „Ich möchte dieses Thema nicht besprechen.“ oder “Wir machen das mit unseren Kindern anders.” Ihr müsst euch dafür auch nicht rechtfertigen.
Ein Plan für die Kinder
Leuchtende Augen, fröhliche Kinder und am besten noch Schnee. So schön stellen wir uns Weihnachten oft vor. In der Realität ist es allerdings meistens ein bisschen anders. Deswegen hilft es auch den Kindern, wenn wir sie gut vorbereiten und begleiten. Wie oben schon erwähnt, gibt es ein paar Sachen, die ihr berücksichtigen könnt. Je nach Alter und Charakter der Kinder kann die Wartezeit bis zur Bescherung unendlich lang sein. Es ist also gut, einige Aktivitäten dafür einzuplanen. Dabei können auch andere Familienmitglieder eingespannt werden.
Eure Kinder essen am allerliebsten Nudeln ohne alles? Dann werden sie vermutlich an Weihnachten nicht plötzlich zu Klößen mit Bratensauce und Rotkohl greifen. Bereitet eine Alternative vor. Kinder brauchen meist kein besonderes oder festliches Essen. Sie möchten nur etwas, das ihnen schmeckt. (Das kann man ja trotzdem schön anrichten) Auch die Essenszeit sollte zum Alter der Kinder passen. Diese Weihnachtstage sind sowieso schon so aufregend, da hilft es nicht, wenn man dann noch völlig übermüdet am Tisch sitzen soll. Insgesamt hilft es, die Planung mal durch Kinderaugen zu betrachten. Die Erwachsenen finden es vielleicht schön, lange am Tisch zu sitzen und sich zu unterhalten. Den meisten Kindern ist das vermutlich irgendwann zu langweilig. Vielleicht können sie dann einen Weihnachtsfilm gucken oder ihr habt eine Beschäftigungstasche dabei oder sie können Hörspiel hören…
Perfektion raus, Realismus rein.
Das gilt für alle Bereiche. Werden kleinere Kinder lange und ruhig am festlichen Tisch sitzen? Eher nicht. Muss alles selbstgemacht sein? Nö. Ihr dürft es euch wirklich ein bisschen einfacher machen. Die Vorweihnachtszeit ist ohnehin für Familien voll und stressig genug. Ob das fertiger Plätzchenteig ist, Rotkohl aus dem Glas oder Kartoffelsalat mit (Veggie)Würstchen. Alles in Ordnung. Weihnachten muss nicht perfekt sein. Und was heißt das überhaupt?
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Plätzchen hier, Lebkuchen da, Schokolade, die ständig nachgelegt wird. Und Oma hat dann noch mehr mitgebracht. Das kann schnell zu Diskussionen (unter den Erwachsenen) oder Tränen (bei den Kindern) führen. Auch hier hilft es, vorher darüber nachzudenken. Man kann kommunizieren, dass keine zusätzlichen Süßigkeiten mitgebracht werden sollen. Gleichzeitig darf der Zucker aber auch entmoralisiert werden: Es ist nicht gut oder schlecht, es ist erstmal einfach nur Zucker. Und besonders an solchen Festen wie Weihnachten, kann auch mal mehr davon gegessen werden – und zwar mit Genuss und ohne schlechtes Gewissen. Trotzdem darf man natürlich auch dafür sorgen, dass ausgeglichen gegessen wird, in dem zum Beispiel auf dem Snackteller neben Süßigkeiten auch Mandarinen und herzhafte Snacks liegen.
Selbstfürsorge als Basis
Gerade in der Vorweihnachtszeit und während der Feiertage vergessen viele sich selbst, vor allem Mütter. Da ist ein Adventskalender, der vielleicht jeden Tag befüllt wird, ein Wichtel, der Streiche spielt und dann kommen ja erst die Feiertage, für die richtig viel vorbereitet und gekocht werden muss. Kein Wunder, dass das purer Stress ist. Dabei wäre jetzt der beste Moment, gut für sich zu sorgen. Wie ihr gemeinsam als Paar gut in der (Vor)Weihnachtszeit für euch sorgen könnt, verraten wir euch ganz bald in einem schönen Interview. Und hier kommen ein paar Punkte, die ihr während der Feiertage beachten könnt:
- Kurz aus dem Raum und Trubel verschwinden: Frische Luft schnappen, Tee holen, eine Runde in der Küche tanzen, mit den Kindern spielen. Alles, was in diesem Moment guttut.
- Immer wieder Mini-Pausen einbauen: Zwei Minuten ins Bad gehen, atmen, ein Glas Wasser trinken. Klingt banal, kann aber manchmal Wunder wirken.
- Routinen nicht komplett aufgeben: Ein bisschen Bewegung, genug Schlaf, regelmäßige Mahlzeiten – das gibt Körper und Nervensystem Halt.
- Nachsorge einplanen: Vielleicht plant ihr nach Weihnachten einen Trödeltag ein, mit einem Filmnachmittag auf der Couch. Oft können auch Kinder nach solchen Tagen ein bisschen Entspannung gebrauchen. Oder ihr ermöglicht euch Erwachsenen gegenseitig einen Ruhetag mit Yoga, Sauna, Freund*innen treffen …
Weihnachten, wie es euch gefällt
Weihnachten ist selten perfekt und das muss es auch gar nicht sein. Aber es kann richtig schön sein. Es gibt keine Regeln, wie ihr Weihnachten feiern müsst. Ihr braucht keine perfektionistischen Ansprüche und unrealistischen Vorsätze, gestaltet euch neue Traditionen und Rituale. Bleibt bei euch und schaut, was zu euch als Familie passt. Auch am Familientisch. Und das darf sich übrigens auch immer wieder ändern. Kinder werden größer, die Lebensumstände ändern sich. Manchmal sind da mehr Kapazitäten und manchmal weniger. Vor drei Jahren hatten wir zum Beispiel einen ziemlich krassen Jahresendspurt. Also habe ich damals ein paar Tage vor Weihnachten den Großeinkauf einfach online bestellt. Weil ich keine Zeit hatte und mich die Menschenmassen überfordert haben. An Heiligabend gab es dann veganen Braten (fertig bestellt, musste nur noch angebraten werden), Semmelknödel (same), Rotkohl (hat meine Mama gemacht), gebratenen Rosenkohl mit Granatapfelkernen und zum Nachtisch Vanilleeis mit heißen Himbeeren (macht kaum Arbeit und schmeckt so lecker). Und obwohl ich so gerne koche und Gäste habe und es liebe, stundenlang in der Küche zu stehen, war das in diesem Jahr die perfekte Lösung für mich. Für uns.
Nur meine „To Do Liste“ für die Feiertage und die Zeit zwischen den Jahren ist fast jedes Jahr die gleiche: Kurz Pause, kurz nichts. Kurz sacken lassen. Kraft tanken, Pläne machen, Vorbereitungen treffen. Ausruhen. Gut essen, zu viele Filme gucken und dabei Plätzchen essen. In Ruhe kochen. Freund*innen treffen. Schreiben, einfach mal wieder so, nur für mich. Lesen, spazieren gehen… Und vielleicht auch viel weniger. Einfach das, worauf wir Lust haben.
Und wenn ihr noch mehr Inspiration für entspannte Weihnachten am Familientisch braucht, dann schaut mal im Shop vorbei. 🙂

